Stress im Job: So schützt du dich mit Colitis ulcerosa
Meetings, Deadlines, volle Kalender: Wie du deinen Arbeitsalltag so gestaltest, dass er planbarer wird – auch mit Colitis ulcerosa.
Ein Termin jagt den nächsten, das Postfach ist voll, die To-do-Liste wird immer länger und irgendwo dazwischen meldet sich dein Bauch. Du versuchst, dich auf deine Arbeit zu konzentrieren, während du gleichzeitig darauf achtest, wie es deinem Körper gerade geht. Kommt der nächste Toilettendrang? Schaffe ich das Meeting ohne Unterbrechung? Was mache ich, wenn meine Beschwerden plötzlich stärker werden?
Gerade für Berufstätige mit Colitis ulcerosa kann der Arbeitsalltag zu einer zusätzlichen Belastung werden. Denn neben den ganz normalen beruflichen Anforderungen kommt häufig die Unsicherheit hinzu, wie sich die chronische Darmerkrankung im Laufe des Tages bemerkbar macht.
Vielleicht kennst du auch das Gefühl, ständig funktionieren zu müssen. Du möchtest deine Aufgaben zuverlässig erledigen, deine Kolleginnen und Kollegen nicht enttäuschen und gleichzeitig möglichst wenig Aufmerksamkeit auf deine Erkrankung lenken. Das kann auf Dauer ganz schön anstrengend sein.
Dabei ist Stress nicht automatisch die Ursache deiner Colitis ulcerosa. Er kann eine zusätzliche mentale Belastung darstellen. Manche Menschen mit Colitis ulcerosa erleben stressige Phasen auch im Zusammenhang mit stärkeren Beschwerden. Umso wichtiger ist es, einen Umgang mit beruflichem Stress zu finden, der dich entlastet.
Die gute Nachricht: Du hast oft mehr Spielraum, als es sich im ersten Moment anfühlt. Es geht nicht darum, deinen gesamten Berufsalltag von heute auf morgen umzukrempeln. Manchmal sind es schon kleine Veränderungen, die dir helfen, dich bei der Arbeit wieder sicherer und entspannter zu fühlen.
Erkenne deine Stressmuster
Stress im Job entsteht selten aus einem einzigen Grund. Häufig sind es bestimmte Situationen, die immer wiederkehren und dich besonders herausfordern. Vielleicht sind es lange Meetings ohne Pause, wichtige Präsentationen, enge Abgabefristen oder das Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen.
Wenn du mit Colitis ulcerosa lebst, können solche Situationen noch eine zusätzliche Bedeutung bekommen. Denn manchmal stresst dich nicht nur die eigentliche Aufgabe, sondern auch die Sorge, wie dein Körper darauf reagieren könnte.
Stell dir vor, du hast eine wichtige Besprechung, die zwei Stunden dauern soll. Eigentlich bist du gut vorbereitet und weißt genau, worum es geht. Trotzdem bist du schon am Morgen angespannt, weil du nicht weißt, ob du während des Meetings auf die Toilette musst. Vielleicht kreisen deine Gedanken dadurch mehr um deinen Bauch als um den eigentlichen Termin.
Genau deshalb lohnt es sich, deine persönlichen Stressmuster genauer anzuschauen.
Nimm dir beispielsweise eine Woche lang jeden Abend ein paar Minuten Zeit und überlege, welche Situationen dich an diesem Tag besonders angespannt haben. Notiere dir, was passiert ist, welche Gedanken du hattest und wie du dich körperlich gefühlt hast.
Dabei geht es nicht darum, jedes Symptom zu analysieren oder ständig nach möglichen Auslösern zu suchen. Vielmehr möchtest du herausfinden, welche beruflichen Situationen dich mental besonders belasten.
Vielleicht stellst du fest, dass nicht die Arbeit selbst das Problem ist, sondern die fehlende Planbarkeit. Oder dass du vor allem dann unter Druck gerätst, wenn du das Gefühl hast, keine Pause machen zu dürfen.
Wenn du diese Muster erkennst, kannst du gezielter überlegen, was dir im Arbeitsalltag helfen würde. Denn nicht jede stressige Situation lässt sich vermeiden, aber deinen Umgang damit kannst du häufig verändern.
Plane Puffer ein
Kennst du diese Arbeitstage, an denen ein Termin direkt auf den nächsten folgt? Kaum hast du ein Meeting beendet, wartet schon die nächste Aufgabe. Für einen kurzen Moment durchatmen bleibt keine Zeit.
Gerade mit Colitis ulcerosa kann ein solcher Tagesablauf zusätzlichen Druck erzeugen. Denn dein Körper hält sich nicht immer an deinen Terminkalender.
Wenn du jede Minute verplanst, entsteht schnell das Gefühl, dass für deine eigenen Bedürfnisse kein Platz mehr bleibt. Schon der Gedanke, möglicherweise spontan auf die Toilette zu müssen, kann dann belastend sein.
Deshalb kann es helfen, bewusst kleine Zeitpuffer in deinen Arbeitstag einzubauen.
Versuche beispielsweise, zwischen zwei Terminen fünf bis zehn Minuten freizuhalten. Nutze diese Zeit, um in Ruhe auf die Toilette zu gehen, etwas zu trinken oder einfach kurz durchzuatmen.
Auch bei größeren Aufgaben lohnt es sich, etwas großzügiger zu planen. Wenn du weißt, dass du für eine Aufgabe normalerweise eine Stunde benötigst, plane nach Möglichkeit etwas zusätzliche Zeit ein. So gerätst du nicht sofort unter Druck, wenn du zwischendurch eine Pause brauchst.
Natürlich lässt sich nicht jeder Arbeitstag frei gestalten. Vielleicht hast du feste Arbeitszeiten, Kundentermine oder einen Beruf, in dem spontane Pausen schwierig sind.
Aber auch dann kannst du überlegen, wo kleine Veränderungen möglich sind. Vielleicht kannst du bestimmte Aufgaben anders verteilen, Pausen frühzeitig absprechen oder deinen Tagesablauf gemeinsam mit deiner Führungskraft etwas flexibler gestalten.
Wichtig ist vor allem, dass du Pausen nicht erst dann als notwendig ansiehst, wenn du bereits völlig erschöpft bist.
Es ist wichtig, deine körperlichen Bedürfnisse auch im Berufsalltag ernst zu nehmen und nach Möglichkeiten zu suchen, notwendige Pausen in deinen Arbeitsablauf zu integrieren.
Gestalte dein Umfeld mit
Wenn du mit Colitis ulcerosa arbeitest, kann dein direktes Arbeitsumfeld einen großen Unterschied machen. Denn ein Arbeitsumfeld, in dem du dich sicher fühlst, kann dir dabei helfen, mit möglichen unangenehmen Situationen gelassener umzugehen.
Vielleicht hast du bisher versucht, dich möglichst unauffällig an alle Gegebenheiten anzupassen. Dabei darfst du auch überlegen, wie sich dein Arbeitsplatz besser an deine Bedürfnisse anpassen lässt.
Schon kleine organisatorische Veränderungen können dazu beitragen, dass du dich wohler fühlst.
- Wähle bei Meetings, wenn möglich, einen Platz nahe der Tür. So kannst du den Raum bei Bedarf unkompliziert verlassen, ohne dich erst an mehreren Personen vorbeibewegen zu müssen. Allein dieses Wissen kann dir etwas Sicherheit geben.
- Prüfe, ob Homeoffice-Tage in belastenden Phasen möglich sind. Gerade wenn deine Beschwerden stärker sind, kann es entlastend sein, in deiner gewohnten Umgebung zu arbeiten. Natürlich hängt diese Möglichkeit von deinem Beruf und den betrieblichen Rahmenbedingungen ab.
- Bereite wichtige Termine gut vor, damit weniger Unsicherheit bleibt. Überlege dir beispielsweise vorher, wo sich Toiletten befinden, wie lange eine Veranstaltung dauert und ob Pausen vorgesehen sind. Eine gute Vorbereitung kann dir helfen, dich stärker auf deine eigentliche Aufgabe zu konzentrieren.
- Halte eine kleine Notfalltasche am Arbeitsplatz bereit. Ersatzkleidung, Hygieneartikel oder andere Dinge, die dir persönlich Sicherheit geben, können darin Platz finden. Vielleicht brauchst du sie nie. Aber allein zu wissen, dass du vorbereitet bist, kann beruhigend wirken.
Bei all diesen Maßnahmen geht es nicht darum, deinen gesamten Arbeitstag um die Colitis ulcerosa herum aufzubauen.
Im Gegenteil: Du möchtest dir Rahmenbedingungen schaffen, durch die deine Erkrankung gedanklich wieder etwas weniger Raum einnimmt.
Denn wenn du dich an deinem Arbeitsplatz sicherer fühlst, fällt es dir möglicherweise leichter, dich auf deine Aufgaben, deine Fähigkeiten und deine beruflichen Ziele zu konzentrieren.
Offenheit – ja oder nein?
Eine Frage, die viele Menschen mit Colitis ulcerosa im Berufsleben beschäftigt, lautet: Soll ich meiner Führungskraft oder meinen Kolleginnen und Kollegen von meiner Erkrankung erzählen?
Vielleicht hast du Angst, anders behandelt zu werden. Vielleicht möchtest du nicht, dass andere deine Leistungsfähigkeit infrage stellen. Oder du hast einfach keine Lust, ständig erklären zu müssen, was Colitis ulcerosa eigentlich bedeutet.
Diese Gedanken sind verständlich. Schließlich ist deine Erkrankung etwas Persönliches und du möchtest selbst entscheiden, wie viel du davon mit anderen teilst.
Ob und wie offen du über deine Erkrankung sprichst, hängt auch von deiner beruflichen Situation ab. In bestimmten Tätigkeiten können besondere rechtliche Pflichten bestehen. Wenn du unsicher bist, welche Informationen du mitteilen musst, kann eine arbeitsrechtliche Beratung sinnvoll sein.
Manche Betroffene erleben es als große Erleichterung, wenn zumindest eine vertraute Person am Arbeitsplatz Bescheid weiß. Sie müssen dann nicht mehr jedes Mal eine Erklärung finden, wenn sie kurzfristig eine Pause benötigen oder ein Termin verschoben werden muss.
Andere fühlen sich wohler damit, nur über konkrete Bedürfnisse zu sprechen, ohne ihre Diagnose zu nennen.
Beides kann der richtige Weg sein.
Wenn du dich für ein Gespräch entscheidest, überlege dir vorher, was du mitteilen möchtest. Du musst nicht deine gesamte Krankheitsgeschichte erzählen oder persönliche Einzelheiten über deine Symptome preisgeben.
Oft reicht es, sachlich zu erklären, welche Rahmenbedingungen dir helfen würden, deine Arbeit gut zu erledigen.
Vielleicht möchtest du beispielsweise sagen, dass du aufgrund einer chronischen Erkrankung gelegentlich kurzfristige Pausen benötigst oder dass flexible Arbeitszeiten für dich hilfreich wären.
Du kannst dabei selbst bestimmen, welche Informationen du teilen möchtest und wo deine persönlichen Grenzen liegen.
Und noch etwas ist wichtig: Du musst dich für deine Colitis ulcerosa nicht entschuldigen.
Du hast dir diese Erkrankung nicht ausgesucht. Du darfst dir Unterstützung im Berufsalltag wünschen und gemeinsam mit deinem Arbeitgeber nach Möglichkeiten suchen, ohne das Gefühl zu haben, deshalb weniger wert oder weniger leistungsfähig zu sein.
Grenzen sind kein Zeichen von Schwäche
Viele Menschen mit einer chronischen Erkrankung entwickeln im Laufe der Zeit den Anspruch, besonders stark sein zu müssen.
Vielleicht kennst du das auch. Du möchtest beweisen, dass du trotz Colitis ulcerosa genauso viel leisten kannst wie alle anderen. Also übernimmst du zusätzliche Aufgaben, sagst selten Nein und versuchst, selbst an anstrengenden Tagen alles zu schaffen.
Nach außen funktioniert das vielleicht sogar ziemlich gut. Doch innerlich kostet es dich unglaublich viel Kraft.
Das Problem dabei ist nicht, dass du beruflich engagiert bist oder hohe Ansprüche an dich selbst hast. Sondern dass du möglicherweise deine eigenen Bedürfnisse immer wieder hinten anstellst.
Und irgendwann kann daraus ein Kreislauf entstehen: Du fühlst dich erschöpft, setzt dich trotzdem weiter unter Druck und hast gleichzeitig das Gefühl, nie genug zu leisten.
Deshalb ist es wichtig, deine persönlichen Grenzen kennenzulernen und sie im Berufsalltag ernst zu nehmen.
Das kann bedeuten, offen anzusprechen, wenn deine Arbeitsbelastung zu hoch wird, Prioritäten gemeinsam abzustimmen oder um Unterstützung zu bitten.
Vielleicht fühlt sich das anfangs ungewohnt an. Besonders dann, wenn du bisher immer versucht hast, alles allein zu schaffen.
Doch Grenzen zu setzen bedeutet nicht, dass du weniger motiviert bist oder deine Arbeit nicht ernst nimmst.
Es bedeutet, dass du deine Energie bewusst einsetzt und Verantwortung für dein eigenes Wohlbefinden übernimmst.
Gerade bei Colitis ulcerosa ist es wichtig, nicht nur darauf zu achten, was du alles schaffen kannst, sondern auch darauf, was du langfristig brauchst, um dich gut zu fühlen.
Dabei darfst du dir eine Frage stellen: Würde ich von einem Menschen, der mir wichtig ist, erwarten, dass er ständig über seine Grenzen geht?
Wahrscheinlich nicht.
Warum also solltest du diesen Anspruch an dich selbst stellen?
Du darfst beruflich ambitioniert sein und gleichzeitig Rücksicht auf deine Gesundheit nehmen. Das eine schließt das andere nicht aus.
Und vielleicht ist genau das einer der wichtigsten Schritte zu einem entspannteren Arbeitsalltag mit Colitis ulcerosa: nicht mehr ständig gegen deine eigenen Bedürfnisse anzukämpfen.
Denn dein Beruf ist ein wichtiger Teil deines Lebens. Aber er ist nicht dein ganzes Leben.
Du hast auch außerhalb deiner Arbeit Wünsche, Beziehungen, Interessen und Ziele, für die du Energie haben möchtest.
Der Ansatz, der oft den Unterschied macht, ist deshalb nicht, noch mehr durchzuhalten oder dich immer besser an belastende Situationen anzupassen. Sondern deinen Alltag Schritt für Schritt so zu gestalten, dass er besser zu dir und deinen Bedürfnissen passt.
Natürlich wird dadurch nicht jeder Arbeitstag leicht und deine Colitis ulcerosa verschwindet nicht einfach. Aber du kannst lernen, mit beruflichen Herausforderungen bewusster umzugehen, dir selbst mehr Sicherheit zu geben und deinen Fokus wieder stärker auf das zu richten, was dir wichtig ist.
Denn auch mit Colitis ulcerosa darfst du einen Beruf ausüben, der dir Freude macht, deine Fähigkeiten einbringen und deine persönlichen Ziele verfolgen.
Deine Erkrankung ist ein Teil deines Lebens. Aber sie muss nicht bestimmen, wie du dein gesamtes Berufsleben gestaltest.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und persönlichen Orientierung. Er ersetzt keine ärztliche Diagnose, Behandlung oder individuelle medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen zu deiner Colitis ulcerosa wende dich bitte an deine behandelnde Ärztin oder deinen behandelnden Arzt.
Quellen: